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BSC 2018: Tag 9 – Endzeitstimmung in Murmansk

Die Nacht auf dem Plateau, irgendwo in der Nähe der russischen Grenze, unweit vom Höllenloch, war genauso quälend, wie es gewesen war das Essen heiß zu bekommen. Der Wind oder Sturm zerrte so heftig an unseren Zelten, dass an Ruhe nicht zu denken war. Gegen 8:00 Uhr hatte ich irgendwann die Schnautze voll und scheuchte Karsten aus dem Bett. Wir packten unsere Sachen zusammen und waren dabei extra laut, weil wir hofften die Anderen dadurch aufzuwecken. Das funktionierte allerdings nur mäßig.

Während die Anderen so langsam erwachten – keine Ahnung wie die überhaupt schlafen konnten – entdeckten wir derweil den Übeltäter, der unser Auto ausgeräuchert hatte. Schon am Abend war uns aufgefallen, dass es plötzlich im Fahrzeug streng roch. Allerdings hatten wir zu demZeitpunkt noch angenommen, dass es an Felix Schuhen lag, die er zum trocknen in das Auto gestellt hatte. Er war auf dem Rückweg vom Höllenloch beim überqueren eines Bachs weggerutscht und natürlich mitten im Wasser gelandet.

Da er uns bereits vorgewarnt hatte, dass es vielleicht etwas strenger riechen konnte, hatte ich mir von Stefan das Febrez ausgeliehen und die Schuhe eingesprüht. Da das aber so gar nichts gebracht hatte und es wirklich erbärmlich stank. Machten wir uns auf die Suche… und fanden: eine offene PAckung Trockenfisch auf dem Amaturenbrett. Die hatte Felix beim Schuhewechseln dort vergessen 🤦‍♀️

Also Scheiben runter und lüften. Den Trockenfisch verbannten wir in den Kofferraum.

Lost Places Part 2 – wohl eher nicht

Gegen 10:00 Uhr waren wir dann alle halbwegs wach und abfahrbereit. Sehr weit sind wir allerdings nicht gefahren, denn wir hatten bereits am Vortag ein weiteres offenbar verlassenes Gebäude, an der Zufahrt zum Höllenloch entdeckt. Also sind wir noch fix dorthin gefahren, bevor es zurück auf die Landstraße ging. Das vermeintlich verlassene Gebäude war ein tatsächlich noch intaktes Umspannwerk – hier gabs nicht viel zu sehen.

Über schnurgerade, einsame Straßen ging es anschließend weiter Richtung Murmansk. Hier oben war weit und breit nichts. Nur die raue Wildniss Russlands.

Unterwegs kamen wir bei einem gigantischen Denkmal für die hier geschlagenen Schlachten des zweiten Weltkriegs vorbei. Die Anlage war beeindruckend. Nicht nur wegen des Panzers, den die dort einfach so rumstehen hatten, sondern auch wegen der unzähligen Gräber die man eigens angelegt hatte und die im Wald verborgenen Schützengräben, welche Markus zufällig entdeckte.

Nachdem wir uns alles ausgiebig angeschaut und eher schlecht als recht verstanden hatten, zogen wir weiter.

Murmansk – Endzeitstimmung und Überfluss

Murmansk erreichten wir irgendwann um Mittag herum. Zielstrebig steuerten wir den Hafen an, denn hier sollte unsere Tagesaufgabe stattfinden. Auf dem Weg dahin kehrten wir noch an einer Tankstelle ein und füllten für umgerechnet 38,00 € unseren 80l und einen weiteren 10l Kanister mit gutem 98er Sprit voll. Wir fühlten uns wie Könige. Von Christina, die versehentlich zwei statt einem Kaffee gekauft hatte (das sollte nicht die letzte Sprachbarriere bleiben), bekam ich meinen ersten Kaffee seit Hamburg 💖

Unsere Tagesaufgabe war einfacher erledigt als zuerst angenommen. Wir sollten ein Foto von uns mit dem ersten Atomeisbrecher der Welt machen. Die Lenin war schon von weitem gut zu sehen. Der Eisbrecher war von 1959-1989 im Dienst. Während dieser Zeit ereigneten sich zwei empfindliche Unfälle mit dem Atomreaktor, welcher das Schiff antrieb. Seit ihrer Stilllegung liegt die Lenin im Hafen der Atomflot für Eisbrecher.

Sie wurde inzwischen zum Museumsschiff umgebaut und kann seit 2009 besichtigt werden.

Wir verzichteten allerdings auf eine ausgiebige Besichtigung. Stattdessen knipsten wir unsere Fotos aus sicherer Entfernung.

Da der Hafen nicht wirklich einladenden war und uns der Hunger plagte, fuhren wir rasch weiter. Von einigen Teams war uns die Murmansk Mall für Besorgungen und Mittagessen empfohlen wurden, als steuerten wir nun diese an.

Nachdem wir uns gleich zweimal verfahren hatten, erreichten wir irgendwann die Mall, die im krassen Gegensatz zum endzeitlichen Murmansk stand. Die Stadt selbst war alles andere als schön. Seit dem Untergang ihrer Blützeit war die Stadt dem Verfall preisgegeben. Heruntergekommene, halbverlassene Sowjetbaus und zerstörte Straßen prägten unser Bild. Die Mall dagegen war genau das, was wir uns unter einer Mall vorstellen: groß, laut, modern und bunt.

Hier gab es alles! Wirklich alles!

Im angrenzenden Supermarkt füllten wir unsere Wasservorräte wieder auf. Außerdem erwarben wir noch einen typischen Emailletopf wie ihn meine Oma och weit über  DDR-Zeit hinaus gehegt und gepflegt hatte. Eine kluge Investition – wie wir später feststellen durften. Nur eine Sache bekam ich im Supermarkt nicht: Ich hatte mir eingebildet am Abend Kartoffeln und Quark zu kochen, hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass die Russen keine Ahnung haben könnten, was Quark ist. Da half auch Google-Translater und das Heranholen der einzig englischsprechenden Mitarbeiterin nichts. Schade, aber dann ist das eben so.

Russland hat den schönsten Himmel

Schließlich verließen wir Murmansk wieder. Mit ordentlich Tempo ging es weiter Richtung Süden.

Übrigens: In Russland sind nur 90km/h auf Landstraßen erlaubt. Wenn man jedoch nicht mindestens 30km/h zu schnell unterwegs ist, wird man von der Polizei angehalten, weil sie glauben man sei besoffen 😄 Blitzen, tun sie aber trotzdem. Das ist einem anderen Team zum Verhängnis geworden. Die Jungs und Mädels waren mit 120km/h deutlich über dem Tempolimit und mussten dafür 250 Rubel abdrücken. 3,00 € Wucher! Ab dem Moment war es uns wirklich scheiß egal! Streckenweise waren wir sogar mit 150 Sachen unterwegs 🙈

Als Karsten irgendwann zu müde wurde, bin ich die nächsten 400km gefahren. Natürlich war das genau die Strecke mit den ellenlangen Baustellen. Teilweise geschlagene 50km am Stück! Aber anders als in Deutschland, wird das in Russland nur einmal angezeigt. Alle paar (Kilo)Meter war plötzlich die Straße abgefrässt oder in eine Schotterpiste verwandelt. Zum Glück ist Markus vor mir gefahren, so konnte ich gut sehen, wo ich Schlaglöchern ausweichen oder zeitig genug runterbremsen musste, wenn mal wieder eine 5cm hohe Kante in der Straße klaffte. Trotz meiner sehr zaghaften Fahrweise, hat unser Achslager die Baustellentortur nicht überlebt. 😩 Entsprechend mies war die Laune an der nächsten Tankstelle ^^

Dafür konnten wir Jedi-Ritter beobachten. Irgendwann, es war schon mitten in der Nacht, standen wir fast 15 Minuten an einer Baustellenampel. Während wir wenig geduldig auf das grüne Lichtsignal warteten, konnten wir zwei betrunkene Bauarbeiter beim Betumkochen beobachten. Plötzlich schlugen die zwei Idioten mit ihren langen Holzstöcken aufeinander ein. Das sah urkomisch aus 😀

Nur wenig später erlebten wir unseren letzten Regen für eine lange Zeit. Wirklich Regen war das aber auch nicht, eher ein Tröpfeln. Dafür war der anschließende Regenbogen, der schönste und intensivste, den ich je gesehen habe! 😍

Irgendwann nach 1:00 Uhr beendeten wir unsere Tour. Wir entdeckten einen verlassenen Steinbruch und ließen uns dort nieder. Da die Gefahr, einen Bären mit ins Zelt nehmen zu müssen, zu groß war, verzichteten wir jedoch aufs Kochen und entzündeten lediglich ein kleines Feuer.

Christina spendierte eine Runde Jägermeister für alle, dann verkrochen wir uns auch schon wieder in unsere Zelte. Diese Nacht wurde es tatsächlich wieder etwas dunkler – nicht viel, aber immerhin etwas.

Tagesresumé:

Gefahrene Kilometer: 1155km

Verbrauchter Sprit: 130 l

Fahrzeit: 15 h

Laune: 😤 (Lagerkoller)

Temperatur: 16 °C

Road Kills: –

Song of the day:

Calvin Harris – One Kiss

By |2018-07-15T23:47:08+00:00Juli 15th, 2018|Allgemein, BSC18, Cold Countries, General, Summer|0 Comments

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