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BSC 2018: Tag 10 – St. Petersburg calling

Ich weiß gar nicht, warum es mir bis heute so schwer gefallen ist, weiter zu schreiben. Vielleicht, weil ich das Gefühl habe, so viel verpasst zu haben? Irgendwie war ich da, aber irgendwie auch nicht. Die Zeit in St. Petersburg hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und war viel zu schnell wieder vorbei.

Vielleicht aber auch, weil St. Petersburg das Ende der Rallye einläutete. Ein Bisschen wussten wir es ja schon am Nordkap, aber wenn du noch mehr Tage vor als hinter dir hast, ist dir das so ziemlich egal. Ab hier änderte sich das… und das macht es auch so schwer!

Zurück in die Zukunft…

Der Tag begann mal wieder recht früh. Ausnahmsweise mal nicht wegen übermäßiger Helligkeit, sondern weil wir bereits am Nachmittag in St. Petersburg sein mussten. Denn für den Check-In im Hostel hatten wir nur ein begrenztes Zeitfenster und bis St. Petersburg war es noch verdammt weit. Gegen 9:00 Uhr hatten wir endlich alles wieder verpackt und waren munter genug weiterzufahren.

Sehr weit sind wir aber erstmal nicht gekommen. Nach ein paar hunter Kilometern war nicht nur bei unseren Autos die Reserve erreicht, auch wir benötigten unbedingt etwas zu essen. Dabei gab es das wohl untypischste Mittagessen, dass man sich in der Russischen Wildnis vorstellen kann: Donuts. 😋

Nach unserem kleinen Stop rollten wir ohne größere Unterbrechung weiter durch die Republik Karelia. Hatten wir bisher nur ein paar drängelnde und waghalsige Russen auf den Straßen erlebt, machten wir nun langsam Bekanntschaft mit dem allseits bekannten Russischen Straßenberhältnissen. Dabei meine ich aber weniger die Beschaffenheit der Straßen selbst. Die angedrohten fehlende Gullideckel und Vorkriegswege blieben uns tatsächlich erspart. Vielleicht weil man die Zufahrtsstraßen der WM zu Liebe in Schuss gebracht hatte, vielleicht aber war auch alles nur ein dummes Klischee?!

Allerdings war der Verkehr die Hölle. Okay, ja es war Montag und wir näherten uns einer großen Stadt, aber rechtfertigt das wirklich, dass man in den Gegenverkehr fährt und den Entgegenkommende von der Straße drängt, man an der engsten Stelle überholt oder einfach mal eine weitere Spur eröffnet, wo eigentlich gar keine ist? Teilweise fühlten wir uns wie in den Dashcam-Videos auf YouTube – nur die Crashs blieben uns zum Glück erspart.

Sind wir wirklich noch in Russland?

Kurz bevor wir St. Petersburg erreichten, trennten wir uns nach 2044 gemeinsamen Kilometern wieder von Ben und Christina. Die Beiden hatten ein Appartment in einem anderen Teil der Stadt gebucht, während wir am vorabend noch schnell die letzten zwei Zimmer in unserem Hostel für Stephan, Markus, Jan und Mario nachgebucht hatten – dachten wir zumindest.

Unser erster Eindruck von St. Petersburg? Wie Dresden zur Wendezeit (Ja ja ja das könnt ihr gar nicht wissen! Oh doch! Und wer sagt denn eigentlich, dass das schlecht ist??) Und wie Markus so schön sagte: „Ihr Dresdner habt euch gleich wieder heimisch gefühlt. Schön auf den Straßenbahn schienen fahren!“ Na aber hallo! 😃

Während wir uns unseren Weg durch St. Petersburg kamen wir auch an bedeutungsschweren Plätzen vorbei. Genau hier war Richard Hammond mit dem Fahrrad auf die Fresse gefallen. Dort wäre Jeremy Clarckson mit seinem Luftkissenboot beinahe in der Newa versunken und war das nicht dadrüben wo James May nicht durchkam? Ob wir zu viel Top Gear und The Grand Tour konsumieren?? Niemals! 😂

Irgendwann hatten wir unser Hostel erreicht. Zumindest laut Google Maps, sehen konnten wir es nicht. Wir parkten unsere Autos ab. Zunächst unsicher, wie man denn in St. Petersburg sein Parkticket löst. Nach ein paar Metern trafen wir auf die Lösung: App oder Kreditkarte. Wie praktisch! Also Kreditkarte rein, Straßencode eingetippt, Fahrzeugklasse bestimmt und Parkdauer festgelegt. Fertig. 12,00 € für 36 Stunden – fast wie zu Hause.

Von Igor der Denis war

Unser Hostel hatten wir allerdings immer noch nicht gefunden. Wir umrundeten den ganzen Komplex, platzten versehentlich in eine Bar voller deprimierter Russen (Russland war gerade dabei die Partie gegen Urugay zu verlieren – Karstens entsetztes „Was?“ machte es nicht besser) und fielen durch eine vermeintlich schwere Stahltür in einen abgeranzten Hausflur.

Tatsächlich sollten wir hier am Ziel sein. Der Hausflur wäre die perfekte Kulisse für einen Thriller oder Krimi. Dem Fahrstuhl vertrauten wir lieber nicht. Irgendwie wollte keiner das Risiko eingehen in Russland im Fahrstuhl stecken zu bleiben. Laut Markus war das schon in Paris nicht witzig gewesen, wie sollte es dann hier werden?

Im dritten Stock stießen wir auf eine weitere schwere Metalltür und einen kindlich-bunten Briefkasten mit Erdkugelrelief. Wir klingelten. Nichts. Wir klingelten noch einmal. Wieder nichts.

Plötzlich waren scharrende Geräusche einer weiteren Tür, das Rasseln eines Schlüsseln und das Scheppern und Klicken eines alten Schlosses zu hören. Dann öffnete sich doch tatsächlich die Tür vor uns. Ein kleiner Mann in seinen Zwanzigern mit kurzen schwarzen Haaren, krummen  Rücken und gewaltiger Nase guckte uns sehr verwirrt an. Auf unser verblüfftes „Hotel?“ nickte er eifrig und winkte uns herein. Weitere Tür gelangten wir in unser „Hostel“, dass sich als umfunktionierte 7-Zimmer-Wohnung herausstellte. „Igor“ schloss hastig sämtliche Türen hinter uns ab, als fürchte er der Schwarze Mann persönlich käme zu Besuch.

„My name is Denis.“ Also doch nicht Igor, schade, dass hätte so gut gepasst.

Das wars dann auch schon mit seinem Englischen Wortschatz. Die folgende Konversation oder eher Diskussion führten wir mit ihm via Google Translator. Ein Hoch auf die Technik.

Wie sich herausstellte, war die Buchung für Mario und Jan nicht geglückt. Das Zimmer stand nur für eine und nicht wie gebucht für beide Nächte zur Verfügung. Das hatte uns Igor ähh Denis in einer E-Mail mitgeteilt. Ja. Hatte er wirklich. Nur leider auf Russisch, das konnten wir leider nicht lesen. Und das Kauderwelsch, dass uns Google anbot hatte uns zwar ahnen lassen, dass es Probleme geben könnte, aber typisch Deutsch, ließen wir es einfach drauf ankommen.

Nach einigem Hin & Her bot Denis den Beiden schließlich ein Zimmer an, dass bei WEitem nciht bezugsfertig war. Das Bett war noch warm und der Fernseher lief. Danke. Nein. Die Beiden buchten sich spontan ein anderes Hotel – nicht weit weg und zu einem unschlagbaren Preis. Mache ich nächstes Mal auch so! Die St. Petersburger sind nämlich auf genau solche Fälle aus. Spontan schießt man die besten Angebote.

Trotz allem war unser Hostel sehr in Ordnung. Denis war außerst bemüht und sauber war es auch. Und mal ehrlich, wen interessiert es nach einer Woche ohne fließend Wasser ob die Brause einwandfrei funktioniert, solange er überhaupt duschen kann?

Nachdem wir uns alle wieder zu Menschen hergerichtet hatten, ging es endlich auf Erkundungstour.

Mama zu Hause

Auf der suche nach einem netten Restaurant mit möglichst typischen Speisen schlenderten wir Richtung Nevsky Prospekt – dem touristischen Zentrum St. Petersburgs. Hier gab es alles, was das westliche Herz begehrte, nur einheimische Küche nicht.

Nachdem wir dank WhatsApp-Live-Standort wieder mit Mario und Jan zusammengefunden hatten. Fragten wir im erst besten Restaurant mit Russischer Küche nach einem Platz für 7-9 Leute. Wir hatten Glück. Richtiges Glück!

Wir waren bei Mama Zuhause gelandet. Richtig geil! Der Laden war eingerichtet wie das Wohnzimmer einer echten (stilvollen) Babuschka. Mit gemütlichen Sofas, einem Kamin, bunter Tapete und allerlei Bildern an der Wand. Besonders angenehm war, dass man trotz Sofaplatz nch vernünftig essen konnte. Die Tische hatten genau die perfekte Höhe.

Die Stimmung war super – und das Essen erst! Außer dem Rote-Beete-Salat weiß ich nicht mehr was das war, was wir da gegessen habe, aber es war köstlich.

Die weiße Nacht verpasst

Als Ben und Christina unsere Runde wieder komplettierten, ließen wir es uns richtig gutgehen. Neben Cocktails für 3,00 € gönnt wir uns noch einige Runden Wodka – wenn schon denn schon. Am Ende saßen wir bis 3:00 Uhr zusammen. Und vollkommen die eigentliche Nacht. Das es tatsächlich für fast 4h dunkel in der Stadt geworden war, hatten wir schlicht und ergreifend nicht mitbekommen.

Aber hey, dass es dunkel wurde, waren wir ja eh nicht mehr gewöhnt 😀

Voller Vorfreude auf den kommenden Tag ging es schließlich für alle wieder in ihre Unterkünfte. Wir verabredeten uns für den folgenden Abend. Den Tag wollten wir getrennt verbringen

– das hieß aber auch, dass Stephan, Markus und Felix zum ersten Mal seit 10 Tagen ohne Karsten und mich losziehen würden. Den Abstand hatten wir alle bitter nötig … 😉

Tagesresumé:

Gefahrene Kilometer: 690 km

Verbrauchter Sprit: 80 l

Fahrzeit: 8 h

Laune: 😌

Temperatur: 23 °C

Road Kills: –

Song of the day:

Dynoro and Gigi D’Agostino – In my mind

By |2018-07-24T22:57:45+00:00Juli 24th, 2018|Allgemein, BMW, BSC18, Cold Countries, Summer|0 Comments

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